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Triebjagd von Roman Libbertz - Fünfundzwanzigstens

Das Vorwort von Nilz Bokelberg
Roman Libbertz. Literat? Barbesitzer? Nachtlebenlegende? Oder gar Impresario? Das ist doch letztenendes alles egal. Wichtig ist, dass der Priveé-Macher durch die Stadt zieht. Und beobachtet. Genau beobachtet. Er betrachtet das Nightlife nicht von außen, er ist ein Teil des Ganzen. Wie ein Puzzleteil, das einem sagt, welche Teile noch fehlen. Ein innerer Blick in eine oberflächliche Welt. München auf der Couch, wöchentlich an dieser Stelle.
XXX. Die Lüge
Man atmet nicht, wenn man nicht für etwas anderes lebt, dachte ich mir.
Ein Jahr später zum zweiten Mal in der Stadt der Sonne und Don Johnson. Drei Freunde M.,P, A. und ich. Obwohl ich der Meinung war diese Stadt gänzlich gesehen zu haben, wieder dort.
Eventuell sind geduldige Menschen mutiger als fordernde. Letztere wollen immer und es scheint als überrennen sie nur eine gewisse Angst. Dies ist die Stadt der Angst. Der Schein stellt Beziehungen her und ändert Ansichten. War es an diesem Ort jemals anders?
Im „Living Room“ sitzen wir inmitten des Clubs, dem Vip-Bereich. Innenarchitektonisch unspektakulär, bis auf die Tatsache, dass der, von roten Kordeln abgegrenzte Bereich, ein antikes Wohnzimmer darstellt. A versucht zu bestellen. Es endet in wilder Gebärdensprache. Er kann kein Englisch. M versucht ihm zu helfen, aber auch seine Kenntnisse der Fremdsprache sind begrenzt. Da springt P zur Hilfe ein. „Can we vodka. Two.“ Die Kellnerin wackelt strahlend von dannen. Zwei Minuten später stehen zwei graue Gänse auf dem Tisch und die Rechnung beträgt 600 Dollar. Die drei sind plötzlich leichenfahl, aber die Blöße läßt keinen Ausweg mehr zu. Es folgt ein volltrunkener, gähnender Abend.
Vom vormittaglichen Lamentieren am Pool genervt, fühlte ich kich verpflichtet dies zu korrigieren. Ich stapfte aus der Sonne hinein ins Business Center des Loews. Das Internet ist mein Freund, weshalb ich die Logos zweier bekannter Firmen kopierte, sie auf ein Word Dokument setzte und schrieb:
Dear Agencies,
on the ... of march at 11 o clock we, the „pr group germany“ organise a casting in the loews hotel lobby. We are looking for girls from 19- 27 of age, for our tv commercial. We are shooting on the ..... of march at the bash club terrace. The two days of shooting will be paid with 5000 Dollars.
We´re looking forward to eventually be working together.
Yours,
Roman Brian
Ich druckte mein Lügenpapier aus, suchte die Nummern der größten Modelagenturen heraus und sandte fünf Faxe. Dann ging ich zurück zum Pool und informierte die Anderen. Sie verstanden nichts.
Der nächste Morgen 10 Uhr 45. Alleine zog ich die Tür hinter mir zu, da keiner der drei mich zu begleiten gewillt war.
„Hey ich habe das für Euch getan.“
„Aber wir können doch kaum Englisch.„
„Deswegen ja. Ich mach das schon.“
Dreimal: „Nein.“
Meine Hände waren schwitzig. In der Lobby angekommen, steckte ich den Türöffner 10 Dollar zu und bat ihn mit leicht zitternder Stimme, falls Mädchen zu einem Casting kämen, sie in den hinteren Bereich der Lobby zu schicken. Nachdem ich zwei große Flaschen stilles Wasser bestellt hatte, sass ich einfach nur da. 11 Uhr 5.niemand. 11 Uhr 10 keiner. 11 Uhr 15 kam endlich das erste Mädchen. Blonde lange Haare, mir etwas zu dominante Nase, aber gut aussehend. Dieses Szenario unzählige Male auf anderer Seite erlebt, nutzte ich meine Erfahrung und sie kaufte es. Nach zwei Minuten waren wir durch. Ihr Buch war durchgeblättert, meine Story erzählt und ihre Setkarte an mich genommen. Ich stand auf und gab ihr die Hand. Sie erhob sich und da sah ich sie. Vertieft in meine Rolle hatte ich es nicht bemerkt. Auf der seitlichen Bank, sassen weitere fünf Models .Durchschnaufen. Ich bat die Nächste an den Tisch. Gleiches Ritual. Die Nächste. Gleiches Ritual. Die Nächste. Inzwischen war die Warteschlange auf etwa zwanzig Frauen angewachsen. Schweißperlen breiten sich auf meinem Körper aus, aber ich wurde in meiner Blendung sicher und sicherer. „Ach wen haben wir denn da?“
„Wir wollten nur einmal schauen.“
„Setzt euch hierher, steht auf wenn ein Mädel kommt und gebt die Hand. Das läuft.“
Alle drei folgten wie Tic, Trik und Trak. Den Gecasteten stellte ich, A,P,M jeweils als die Investoren, welche den Werbespot in Auftrag gegeben hätten, vor und artig wurden Hände geschüttelt. Die Nächste, gleiches Ritual, die Nächste, gleiches Ritual.
Der Concierge tritt mit einen breiten Grinsen herbei, um zu erfahren, ob er uns auf Kosten des Hauses ein paar Drinks, Snacks und Sandwiches kredenzen darf. Kann er gerne.
Die Nächste, gleiches Ritual, die Nächste gleiches Ritual, die Nächste, gleiches Ritual. Ich castete an diesem Tag in drei Stunden 91 Mädels und nach dreieinhalb Stunden glich meine Kleidung von einem Platzregen maltretiert. Ich war fix und alle.
„Und was hat das jetzt gebracht?“
„Werdet ihr heute Abend sehen!“ log ich unwissend.
Sollte ich Recht behalten?
Als wir an diesem Abend erneut das „Living Room“ betraten flogen uns bereits am Eingang zehn unserer Nachmittagsbekanntschaften strahlend entgegen und begrüßten mich, A,P und M überherzlich.
In den nächsten fünf Tagen verbrachten wir jeden Abend umringt von einem Tross an Frauen und lernten von Türstehern, Promotern, Dj´s und Clubbesitzern ,gefühlt, hunderte kennen.
Nie werde ich die Nacht mit dem brasilianischen Model, deren gesamter Rücken ein die krallen ausfahrender Tiger zierte, vergessen. Gelogen! Triebjagd halt.
Ein kleiner, oberflächlicher Kiesel vermag sich in Miami allzu leicht in eine Lawine verwandeln. Nicht nur in Amerika.
Bereits geschrieben:
Triebjagd von Roman Libbertz - Einundzwanzigstens
Triebjagd von Roman Libbertz - Zweiundzwanzigstens
Triebjagd von Roman Libbertz - Dreiundzwanzigstens
Triebjagd von Roman Libbertz - Vierundzwanzigstens
www.romanlibbertz.de

Kommentare zur News
von
Und wann kommt kurznachtbuchgeschichten? ;P
Immer wieder nice zu lesen, manchmal verwirrend, manchmal erheiternd aber immer wieder synapsenanregend *hehe*
Immer wieder nice zu lesen, manchmal verwirrend, manchmal erheiternd aber immer wieder synapsenanregend *hehe*
von
das ist eine geschichte die in dem nachtkurzgeschichtenbuch enthalten ist, dass in drei wochen rauskommt
von
eine story ohne vip-bereich eines clubs, ist keine story ;) auf jeden fall immer interessant zu lesen...
von
schön, schön! würde ich versuchen an gq zu verkaufen, das honorar dürfte auf alle fälle für ne flasche wodka genügen... schlechte zeiten für autoren.
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