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Rubrik:Kolumne
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Autor:Roman Libbertz
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Letzte Aktualisierung:

Triebjagd von Roman Libbertz - Einhundertfünfzehn

Das Vorwort von Nilz Bokelberg

Roman Libbertz. Literat? Barbesitzer? Lyriker? Oder gar Impresario? Das ist doch letztenendes alles egal. Wichtig ist, dass der Priveé-Macher durch die Stadt zieht. Und beobachtet. Genau beobachtet. Er betrachtet das Nightlife nicht von außen, er ist ein Teil des Ganzen. Wie ein Puzzleteil, das einem sagt, welche Teile noch fehlen. Ein innerer Blick in eine oberflächliche Welt. München auf der Couch, wöchentlich an dieser Stelle.
Rom

Nachdem der livrierte Butler meine Einladungskarte entgegengenommen hat, führt er mich auf einem von Fackeln gesäumten Weg um das, wie ich er mir erklärt, orginalgetreu restaurierte Landhaus aus dem fünfzehnten Jahrhundert. An die vierzig Gäste sind bereits anwesend, reden, trinken und tanzen um den Swimming Pool. Das Wasser schimmert türkis über der Beleuchtung. Es wimmelt von Models und alten maskengesichtigen Dickbäuchern. Das Haus liegt auf einer Anhöhe über einem Weinanbaugebiet. Der Ausblick ist atemberaubend. Alles scheint so perfekt, dass ich mir wünsche jemand würde in den Pool kotzen. Was haben sich diese Menschen sich nur zu erzählen? Ich verspüre gute Lust zu schreien. Irgendetwas in der Art „Vögelt Euch doch einfach alle, schenkt Euch all euer Geld und hört auf Worte zu verschwenden!“. Vielleicht ist meine Laune auch nur auf diesem Tiefpunkt, weil ich mich nach München sehne. Da bietet mir ein schmieriger Kerl eine Line Koks an. Ohne zu antworten blicke ich ihm in die Augen bis er verschwindet. Bin ich genauso wie diese Menschen? Bin ich der gleiche Materialist? Suche ich auch nach oberflächlicher Perfektion? Eine spindeldürre Amanda mit gewaltigen Brüsten und Lippen reicht mir ein Glas Champagner, ich will nicht unhöflich sein, stoße an und nippe.

„So you wanna get off with me?“

Mich überrascht ihr eindeutiges Angebot und ich beginne sie in diesem Moment für ihre Offenheit zu lieben, doch habe ich nicht das geringste Interesse, noch meldet sich das Triebtier in mir.

„I am in a relationship.“

„Me too. So?“

Ausweg eins ist versperrt. Was machst Du jetzt? Ich lächle, nippe erneut und lüge:
„Yes, but i am gay.“

Sie lächelt ebenfalls, dann scheint der Satz ihre Synapsen erreicht zu haben, sie tut so, als ob sie einen Anruf bekommen würde, entschuldigt sich und ist weg.

Kommentare zur News

von
LoL - sehr geil ;D
von
grossartig! :)
1-2 von 2

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