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Rubrik:Szene, Interview
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Members Only - Interview mit dem Ex-P1 Türsteher Damir Fister
Beruf Spaßbremse: Damir Fister hat als Türsteher des Münchner "P1" zehn Jahre lang bestimmt, wer reinkommt. Jetzt erzählte er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung von seiner Zeit in Deutschlands ehemals bekanntester Diskothek und seinem Buch "Members Only". Dazu haben wir ihn wiederum im Nachtagenten-Interview Stellung nehmen lassen.

Damir Fister: Nach dem Ausstieg aus dem P1 hab ich mit meiner Veranstaltungsagentur Brain & Pain und meinem damaligen Partner Phillip erstmal ein Jahr lang ziemlich trashige und überaus erfolgreiche Veranstaltungen in diversen Locations angezettelt, was dann leider Gottes immer mehr mittelmäßige Nachahmer auf den Plan gerufen hat selbiges zu tun. Am Zenith unseres Schaffens stiegen wir dann aus der Veranstalterbranche aus und eröffneten mit unserem Kumpel Serge Dolkhani den undergroundigen Penthaus-Club an der ehemaligen Oberanger-Tankstelle. Nach eineinhalb Jahren exzessivem Partytums verkauften Phillip und ich dann zugunsten eines geplanten Edelclubs unsere Anteile und eröffneten kurz danach den Crownsclub an der Maximilianstraße. Dummerweise flogen wir mit dem dreiviertel Millionen Euro teuren Baby so richtig auf die Fresse, was zum einen an unserer eigenen Unfähigkeit und einer um 4 Monate überschrittenen Umbauphase lag, die uns letztlich zwang einen Kellerclub im Sommer zu eröffnen. Zwischenzeitlich hatte 6 Wochen vor unserer Eröffnung auch noch das 8 Seasons um die Ecke eröffnet, welches ja das erste halbe Jahr so ziemlich alles inklusive uns, in Grund und Boden rammte. Um nicht auch noch den letzten ersparten Pfennig zu verlieren, verkaufte ich nach gut 8 Monaten meine Anteile zu einem Bruchteil meiner Investition und aß das nächste halbe Jahr nur noch Brot und Wasser.
Nachtagenten: Die SZ titelt, dass du dem P1 nur noch mythische Überlebensfähigkeiten zutraust.
Das P1 hat dieses Jahr erst einen Preis als Longseller und beständigster Laden der Republik bekommen. Ist es da nicht etwas vorschnell den Laden als tot zu bezeichnen?
Damir Fister: Ich hab den Laden noch nie als tot bezeichnet, sondern nur als etwas völlig anderes als das, was er zu meiner Zeit noch war. Früher war das Stüberl ein lebender Mythos, heute lebt es vom Mythos. Was den Preis als Longseller betrifft, finde ich sogar, dass das P1 der einzige Club ist, der diese Auszeichnung verdient hat, schließlich gibt es ihn nun seit 25 Jahren, ist 7 Tage die Woche geöffnet und ist immer noch am Leben.
Nachtagenten: Gehst du selber noch ins P1?
Damir Fister: Klar, schließlich ist das P1 ein Teil meiner Vergangenheit, eine vergangene Liebe und diesbezüglich auch ein Ort um in Nostalgie zu schwelgen. Außerdem arbeiten immer noch einige Kollegen dort, die ich immer wieder mal gerne besuche.
Nachtagenten: Warum bist du jetzt wieder an der Tür und zwar in der Meinburk?
Damir Fister: Nicht mehr. Ich war dort und zwar nur für einige Monate. Dies kam zum einen Zustande, weil mich mein Ex-Penthaus-Partner Serge Dolkhani, der ja Mitbetreiber der Meinburk ist, gefragt hat, ob ich denn keine Lust hätte dort die neue Generation ein bißchen zu triezen, zum anderen weil ich sehen wollte was sich am nächtlichen Partyfirmament denn so alles verändert hatte...und ich muss gestehen...ich bin alt geworden.
Nachtagenten: Warum hast du deine Karriere als P1 Türsteher hingeschmissen?
Damir Fister: Da ich in den letzten beiden Jahren meiner Türsteherzeit dem schleichenden Prozess der Verkommerzialisierung beiwohnen durfte und das Projekt „Vergrößerung zugunsten der Masse“ schon feststand, war es weder für mich noch für das P1 mehr vorstellbar gemeinsam durch diese neue Ära zu reisen.

Damir Fister: Von wegen Rache. Ich verdanke dem P1 in philosophischer und psychologischer Hinsicht mir die beste Schule des Lebens gewesen zu sein. Und das, was du als Seitenhiebe ansiehst, ist aus meiner Sicht nichts anderes als schwarzbissiger Sozialrealismus, der genau die Welt wiederspiegelt, in der ich mich zu jener Zeit befand.
Nachtagenten: Welche Gründe kannst du uns nennen, warum heute „jeder“ ins P1 kommen soll und warum damals eben nicht?
Damir Fister: Dies liegt schlichtweg an der Logik der Dinge. Früher wollten jeden Abend doppelt so viele Leute rein, wie reinpassten(ca. 600 Pers.), heute überschattet die immense Grösse für etwa 1800 Personen die Nachfrage. Außerdem muss man eingestehen, dass es zu meiner aktiven Zeit ja nur 3 relevante Clubs in München gab, somit hatte das Einser sowas wie ne Monopolstellung. Heute dagegen sind es hunderte von Bars und Dissen, die alle mit der gleichen Suppe um das selbe geschmacksneutrale Gästesegment kämpfen.
Nachtagenten: Als Türsteher musst du die Menschen „aussortieren“, das heißt nur wer freundlich war, gut aussah, Geld hatte, humorvoll oder flirten konnte, durfte rein. Wie ist es für dich über einen Menschen zu urteilen, den du nicht kennst? Und hattest/hast nicht manchmal das Gefühl falsch zu urteilen, weil du einen Menschen nicht in den Club lässt, weil er vielleicht nicht deinem (Schönheits)-ideal entspricht?
Damir Fister: Also privat bin ich ja eher ein spiritueller und bedächtiger Mensch, der weiß, dass jeder Mensch mindestens genauso interessant wie ich selbst ist. Außerdem könnte ich niemals über jemanden urteilen, in dessen Mokassins ich noch keine 1000 Meter gegangen bin. Das P1 von damals war ja nur ein Theaterspiel und ich eben ein guter Schauspieler. Ich spielte den arroganten, boshaften selbstherrlichen aber humorvollen Kotzbrocken, dessen einzige Aufgabe es war, das Prinzip des „Gesetzes der Knappheit“ aufrecht zu erhalten. Und das tat ich dann eben mit der mir zur Verfügung stehenden Perfektion.

Damir Fister: Natürlich hat man Kontakt zu Promis, wobei ich feststellen musste, dass gerade die VIPs dieser Welt oft größere und stinkendere Haufen machen als die sogenannten Normalos. Dementsprechend ist für mich keiner interessanter als der andere und der einzige Unterschied zwischen einem Star und einem Namen-und Gesichtslosen besteht doch eigentlich nur darin, dass der eine gut schauspielern oder sporteln kann und deshalb im Fokus steht, der andere dafür von der Öffentlichkeit ungeachtet besser Stricken bzw. Fahrrad fahren kann. Jeder is gleich, wenn nicht sogar gleicher.
Nachtagenten: Du bezeichnest das P1 oft als zu kommerziell und oberflächlich, doch was war deine schönste Erinnerung in deiner Zeit als Türsteher im P1?
Damir Fister: Also oberflächlich ist ja wohl jeder Club und darum geht es ja auch. Schließlich ziehen wir nicht um die Häuser um die Weltpolitik oder unseren Glauben zu thematisieren, sondern doch eher um zu feiern, um uns von unserer täglichen Tristesse abzulenken und unserem nächtlichen Dasein einen Sinn zu geben. Was den Kommerzgang des Einsers angeht, bin ich ganz ehrlich und glaube, dass die Entwicklung von der „Klasse zur Masse“ in einer Zeit in der „Geiz ist geil“ groß geschrieben wird und dank H&M alle gleich aussehen, zum genau richtigen Zeitpunkt stattgefunden hat.
Meine schönste Erinnerung dagegen, ist keine Erinnerung sondern eher eine Erfahrung. Die Erfahrung mich durch das stetige aufeinandertreffen mit den verschiedenartigsten Seelen selbst kennengelernt zu haben. Das ist größtenteils eben auch dem P1 zu verdanken.
Vielen Dank für das Interview!
Kommentare zur News
von
Cool! Ich weiss noch wie ich mal nicht reinkam vor 14 jahren (kann das sein?), da ging dann mein Schwager auf den Schwarzen Ex-Footballer los, das war ne Gaudi ;)







