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Rubrik:Lifestyle, Kolumne
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Autor:Agent jooolia
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Julia wundert sich über ... Statistiken

Die Welt ist schon ein sonderbarer Ort. Allerlei Skurriles findet sich offline wie online. Mal regt es zum Nachdenken an, mal versüßt es den Tag und verhilft zu einem spontanen Schmunzeln. Unsere Agentin Julia wird für Euch wöchentlich über Absurditäten, Irrlichter und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags berichten. Ihr Einblick in den urbanen oder vernetzen Dschungel verspricht ungewohnte Perspektiven, ominöse Begegnungen und Überraschendes.
Wie soll Churchill doch so schön gesagt haben: "Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe". Und Recht hatte er! Noch treffender formulierte es der BWL-Professor Aaron Levenstein. „Statistik ist wie ein Bikini", sagte er, "was sie enthüllt ist viel versprechend, was sie verbirgt ist wesentlich". Was die Herren damit meinten: Hinter fast jeder Statistik steht jemand, der will, dass ein bestimmtes Ergebnis herauskommt. Meistens ist das jemand, der einen beträchtlichen Geldbetrag in betreffende Studie investiert hat. Passt das Resultat am Ende trotzdem nicht in die Landschaft, wird getrickst. Ein offenes Geheimnis ist z.B., dass viele Studien von vorne herein im Hinblick auf die gewünschten Ergebnisse angelegt werden. Keine Seltenheit ist auch, dass Marktforschungsinstitute bewusst statistische Methoden zusammenwerfen, deren Kombination unzulässig ist. Darum gibt es mittlerweile sogar Spezialisten für Statistikmissbrauch. Einer von ihnen, Prof. Gerd Bosbach, erklärte hier anschaulich, wie man ohne großen Aufwand mit Statistiken täuschen kann.

Aber Statistik ist nicht gleich Statistik. Es gibt z.B. immer mal wider Studien, die weder nach marktwirtschaftlichen noch nach soziologisch bedingten Interessen riechen. Anders gesagt: Sie bringen eigentlich niemandem was.
So wie diese beiden:

- Fabrikarbeiter haben häufiger Sex am Arbeitsplatz als andere Angestellte, vorausgesetzt, sie arbeiten in England. Denn da, ergab eine Befragung von über 1.400 Angestellten, haben es 19% aller „Factory workers“ schon zwischen den Fließbändern getrieben. Die Bürogänger schafften es auf den zweiten Platz (16%). Und die Schlusslichter der wuschigsten Arbeitnehmer sind – man glaubt es kaum - Flugbegleiterinnen!

- Alkohol macht elastisch
Wieder eine Studie aus Großbritannien, durchgeführt an der Universität Sheffield, hat's ergeben: Patienten, die regelmäßig Alkohol trinken, haben weniger Gelenkbeschwerden wie Rheuma oder Arthritis. Eine Erklärung dazu konnten die Forscher nicht vorlegen.
Und dann gibt es Statistiken, die belegen, was uns sowieso allen klar ist. Tatsachen, die auf der Hand liegen, werden trotzdem durch die Empirie gejagt. Etwa diese:

- Rentner am Steuer sind gemeingefährlich
Bei Autofahrern ab 70 Jahren nimmt die Unfallhäufigkeit stark zu. Bei den 75-Jährigen erreicht sie sogar (wieder) das Niveau der 18- bis 24-Jährigen.

- Der Trabi stirbt aus
2010 waren in den neuen Bundesländern ca. 30.000 Trabis registriert, gut 2.000 weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: 1993 tuckerten dort noch fast 900.000 Leukoplastbomber herum.

- Wer ärmer ist, stirbt früher
Ach was... wer sich für die konkreten Zahlen interessiert: 2007 starben die ärmsten Menschen im Vergleich zu den reichsten 3,2 mal frühzeitiger. Die Wirtschaftskrise hat die Kluft noch zusätzlich vergrößert.
Aber, und das ist das schöne an der Vermessung der sozialen Realität, manchmal bringen Statistiken auch Fakten ans Licht, die man vielleicht nicht vermutet. Keine schönen Fakten. Keine hilfreichen Fakten. Aber zumindest ansatzweise interessante Fakten. Zum Beispiel:

- Für die meisten Verkehrstoten sind Bäume verantwortlich
Bei "Baumunfällen" (= gestürzte Bäume, oder solche, die nicht aus dem Weg springen) starben 2009 fast zehnmal mehr Menschen als bei "normalen" Unfällen auf deutschen Autobahnen.



- Indonesien ist nach den USA und GB das Land mit den meisten Facebook-Usern. Deutschland steht auf Platz 14.

- Heinz Rühmann ist der beliebteste Deutsche
Auf die Frage, wer die wichtigste deutsche Personen aus Kunst, Sport und Kultur der letzten 60 Jahre sei, sagten dies 55% aller Befragten. Platz zwei ging an Loriot und Frank Beckenbauer (beide
51%), gefolgt von Schumi (46%), Steffi Graf (44%) und Bobbele (44%).

- Engländer können nicht in Flip Flops laufen
Flip-Flop-bedingte Verletzungen kosten die britischen Krankenkassen jedes Jahr 40 Mio. £.

- Deutschland hat niedrigste Geburtenrate in der EU
Sogar die Ösis vermehren sich eifriger als wir: 2009 wurden in Deutschland 7,9 Kinder auf 1.000 Einwohner geboren; in Österreich waren es 9,1. Kein Wunder, dass es dann abends öfter kracht, wie diese Statistik zeigt:

- Österreichische Türsteher hauen gerne mal drauf
2009 gab es in Österreich 939 Strafanzeigen gegen Türsteher. Und darin ist Wien nicht einmal enthalten! Der Grund: für österreichisches Sicherheitspersonal gibt es bis heute keine verpflichtende Ausbildung. Ein entsprechendes Gesetz wird derzeit vom Wirtschafts-ministerium geplant und könnte nächstes Jahr in Kraft treten.

- Die WM verzerrt die Bierkonsum-Statistik
Im Juni 2010 verkauften die deutschen Bierbrauer zwar 8% mehr als im Vorjahr. Allerdings tranken die Deutsche in den Vormonaten so wenig, dass die deutschen Bierbrauer im 1. Quartal 2010 ein Absatz-Minus von 0,7% verzeichnen. Übrigens: Bierbundesland Nummer Eins ist Nordrhein-Westfalen mit rund 12 Millionen Hektoliter abgesetzten Bier. Bayern liegt auf Platz 2.


Nach dieser Safari durch den Zahlendschungel noch ein kleiner Tipp: Wenn Euch das nächste Mal eine fragwürdige Statistik unterkommt, werft einen Blick auf das Kleingedruckte. Umfragen, für die weniger als 1.000 Menschen befragt wurden, können z.B. nicht als repräsentativ für Deutschland gelten.
Wer das Gegenteil behauptet, der lügt!



Fotos: flickr (3)/ wayneandwax
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Julia wundert sich außerdem über...

... die katholische Kirche
... Männer, die zum Putzen gezwungen werden

... den Elvis-Effekt
... Hygiene-Exhibitionisten

... Vuvuzelas
... den Nichtraucher-Krieg
... Weltmeisterschaften
... Deutschland im Ausland
... Kunst, die krank macht
... klitzekleine Hunde
... schlechte Horrorfilme

... den urbanen Konsum-Mash-up
... Sexismus
... Doppelmoral in Sachen Pädophilie
... Werbung
... den 1. April
... Facebook
... Bushido
... Diego Maradona
... die EU
... schlechte Manieren
... DSDS
... die Ägypter
...die GEZ
... Das A-Team

Kommentare zur News

von
Hey nachtagenten warum löscht ich den typen nicht einfach mal... sowas primitives nervt einfach nur.
von
was ist denn eigeltich eine realmessung?
von
:-)
von
knackiges cornichon du :)
von
ohh schnuckie
von
ach herzchen
von
@ A_S lol, hat nen moment gedauert, is dann aber doch angekommen

@ jooolia zum mobben gehört immer mehr als einer.. kannst du das mit den essiggürkchen bitte mal endlich erklkären ???

man man man, ohne mich wär die kolumne hier echt tot..
von
bitte nicht gemein sein zu fresh_one, sonst mobbt er mich wieder...
von
@ jooolia, in particular in case the pickles are not fresh ones ... ;)
von
...und wie eine Realmessung aus den USA gestern ergeben hat, leiden 99,9% aller Essiggürkchensymptomträger an ADS
von
hatte vergessen: hrhrhr
von
ok, again, sich an statisken zu klammern ist echt vorgestern und derbe lächerlich, realmessung ist angesagt, baby. (..was ist ein essiggürckchensyndrom und warum weisst du was darüber oder warum interessiert dich so ein thema? wird das der nächste titel hier?!!) ..es wird hier immer misteriöser.. .besser wär mal ne info über silberzwiebelessersyndrom. haste mal bei der bildzeitung für ne kollumne angefragt? für die wär das garantiert der renner
von
statistisch gesehen leiden 99% aller klugscheisser mit segelohren am essiggürkchen-syndrohm
von
..warum wundert sich hier jemand ?? ach so ja, julia meets the real world again...selbst bin ich eher für echtzeitmessungen- und analysen, statistik ist mal sowas von gestern und sich darüber zu wundern ist etwas naja (??) statistik ist ausserdem nicht mehr relevant ..jedenfalls nicht dort wo es geld zu verdienen gibt
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