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Rubrik:Kolumne
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Autor:Agent jooolia
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Julia wundert sich über ... Sexismus

Die Welt ist schon ein sonderbarer Ort. Allerlei Skurriles findet sich offline wie online. Mal regt es zum Nachdenken an, mal versüßt es den Tag und verhilft zu einem spontanen Schmunzeln. Unsere Agentin Julia wird für Euch wöchentlich über Absurditäten, Irrlichter und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags berichten. Ihr Einblick in den urbanen oder vernetzen Dschungel verspricht ungewohnte Perspektiven, ominöse Begegnungen und Überraschendes.
Foto: filtran/flickr
Feminismus fand ich eigentlich immer doof. Das Bild von unrasierten Frauenbeinen in schlabbrigen lila Latzhosen und kurzhaarigen, hässlichen Kampfamazonen hatte so in meinen Kopf gebrannt, dass mich dieses ganze Frauenrechts-Ding überhaupt nicht interessiert hat. Und dann diese ganze politische Korrektheit. "Liebe Kinder und Kinderinnen", und ähnliche Scherze. Außerdem mag ich Männer viel zu gerne, als dass ich meinen BH verbrennen und dabei "Schwanz ab!" brüllen könnte. Wäre viel zu schade (um beides). Das personifizierte andere Extrem, der fieseste aller Anti-Gleichberechtiger, ist ein Schweizer namens René Kuhn. Oft, laut und voller Leidenschaft wetterte er gegen "linke Emanzen", "schlampige Ehefrauen" und "zerlumpte Vogelscheuchen", was ihn letztes Jahr seine politische Karriere bei der SVP kostete. Mittlerweile schreibt er auf www.antifeminismus.ch und hat seine wilden Reden in Form eines Buches manifestiert ("Zurück zur Frau. Weg mit den Mannsweibern und Vogelscheuchen. Ein Tabubruch". Mehr dazu: www.tabubruch.ch). Seine Meinung: Gleichberechtigung von Frauen geht auf Kosten der Männer, und ist deswegen gleich sexistisch. Lass ich jetzt mal so im Raum stehen.
Foto: pescatello/flickr
Vor ein paar Jahren, so Mitte 20, warf ich doch mal einen Blick in ein Alice Schwarzer-Buch – und war positiv überrascht. Da geht's gar nicht um das Scheiß-Patriarchat oder die armen unterdrückten Frauen. Sondern um Fairness, um Chancen, die man hat oder nicht, und immer wieder auch um eines meiner Lieblingsthemen - Pornografie. Um eines klarzustellen: Ich hab keine Chasey Lain-DVD-Sammlung zuhause stehen, auch keine Plüschhandschellen. Mein Lieblings-Videothekar, der mich seit Jahren kennt, würde mir ehe einen anständigen Horrorfilm als "Heiße Höschen"
empfehlen (damit, dass er in seiner Porno-Ecke einen Streifen namens "Besuch vom schwarzen Rüsseltier" stehen hat, ziehe ich ihn trotzdem gerne auf). Konsumtechnisch bin ich völlig raus. Aber in Sachen Medienwirkung sind Pornos eine interessante Sache. Weil – hab ich auch erst in der einschlägigen Emanzen-Literatur aufgeschnappt – die Pornoindustrie und die Frauenrechtsbewegung ziemlich gleichzeitig an Fahrt gewonnen haben. Völlig schizophren eigentlich: In Pornos geht es um das, was ein gut bestücktes Männchen mit einem dauergeilen, gefügigen Weibchen alles anstellt. Abgesehen davon, dass sie dauergeil sind, haben Frauen in Pornos nicht viel zu melden. Im richtigen Leben passiert seit 30 Jahren genau das Gegenteil: Frauen gehen für ihre Rechte auf die Strasse, Nutten demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen, wirtschaftliche Ungerechtigkeiten werden diskutiert, Frauenquoten in den politischen Parteien eingeführt.
Foto: Tyla'75/flickr
Und heute? Heute schwingt die Angie das politische Zepter in der BRD. Während auf der anderen Seite des großen Teichs der erste dunkelhäutige Präsident die Schließung von Guantanamo Bay verspricht (ist bis heute nicht passiert, aber gut). Schlechte Zeiten also für Traditionalisten – sollte man meinen. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus: Frauen verdienen immer noch um die 30% weniger als ihre männlichen Kollegen (bei gleicher Ausbildung und Tätigkeit, und OHNE schwanger zu werden). Frauen haben schlechtere Bildungschancen (2/3 aller Analphabeten auf der ganzen Welt sind weiblich), werden in gruselige Ganzkörperschleier gesteckt. Gewalt gegen Frauen (z.B. Massenvergewaltigungen) sind auch heute noch ein populäres Mittel der Kriegsführung, etwa bei ethnischen Säuberungen (da sie ein Volk nachhaltig kaputtmachen). Jede dritte Frau auf der Welt, sagt UNIFEM, wird in ihrem Leben vergewaltigt, geschlagen, zum Sex gezwungen oder auf andere Weise misshandelt. 4 Millionen Frauen und Mädchen, werden jedes Jahr zum Zweck der Heirat, der Prostitution oder der Sklaverei ver- und gekauft.

Was bleibt also übrig von den ganzen Disputen über Gehaltsschere, Gegenöffentlichkeit und Geschlechtsrollenstereotypen? Ein komischer Nachgeschmack, soweit es mich betrifft.
Falls ich mal eine Tochter hab, wünsche ich ihr besseres.
Falls ich mal einen Sohn habe, auch.


Julia wundert sich außerdem über...

... Doppelmoral in Sachen Pädophilie
... Werbung
... den 1. April
... Facebook
... Bushido
... Diego Maradona
... die EU
... schlechte Manieren
... DSDS
... die Ägypter
...die GEZ
... Das A-Team
... die Brigitte
... den Nacktscanner
... das Jahr 2010
... die Polizei
... Männer und Frauen
... die Farbe Lila
... den Weihnachtswahn
... das Gesetz
... Geldgeilheit
... Pechvögel
... dumme Tiere
... die deutsche Sprache
... Psychologen
... die Pornoindustrie

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