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Rubrik:Lifestyle, Szene, Kolumne
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Autor:Agent jooolia
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Julia wundert sich über ... schlechte Manieren

Die Welt ist schon ein sonderbarer Ort. Allerlei Skurriles findet sich offline wie online. Mal regt es zum Nachdenken an, mal versüßt es den Tag und verhilft zu einem spontanen Schmunzeln. Unsere Agentin Julia wird für Euch wöchentlich über Absurditäten, Irrlichter und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags berichten. Ihr Einblick in den urbanen oder vernetzen Dschungel verspricht ungewohnte Perspektiven, ominöse Begegnungen und Überraschendes.
Fotos: flickr (2)/ Miss Loisy, CarbonNYC
Neulich bin ich zum ersten Mal in meinem Leben bei einer Party rausgeschmissen worden. Und zwar bei einer Privatparty. Ohne mich daneben benommen oder den Prosecco auch nur angerührt zu haben. Auch die drei Jungs, mit denen ich unterwegs war, waren weder unhöflich noch sonderlich betrunken. Wir waren bloß auf einer Spiesser-Fete gelandet. Die Gastgeberin, Typ Kampfamazone, flirtete zwar gleich meinen Freund an (was ich ihr nicht verdenken kann), bemerkte dann aber, daß er nicht alleine gekommen war. Schnurstracks packte sie mich am Arm und wollte wissen, zu wem ich denn dazu gehöre. Ich verwies auf die Bekanntschaft, die uns mitgenommen hatte, woraufhin sie mir ein Referat darüber hielt, daß das ihre Wohnung sei, dass sie heute ihren Geburtstag feierte, und, dass sie nur ihre Freunde eingeladen hätte. Ein Killerblick rundete den Monolog ab.

Da mitgespülte Fremdlinge auf dem eigenen Kindergeburtstag offensichtlich nicht ihr Ding waren, wünschten wir ihr noch eine verdammt schöne Party und zogen weiter. Die Jungs waren drauf und dran, sich noch die letzte Flasche Gin zu krallen, was ich ihnen aber ausredete.
Foto: Yogurinha Borova / flickr
Denn: Obwohl sich der Hausdrache echt mal hätte entspannen können – im hintersten Winkel meiner Genervtheit konnte ich sie irgendwie verstehen. Ich persönlich denke bei Privatparties an meine frühere 4er-WG, und an viele unbekannten Gesichter in unserer Küche, an Biervorrat in der Badewanne und an die kleine Kneipe unter uns, die sich mal bei der Polizei über den Krach beschwert hat (irgendeiner hing um 05.30 Uhr immer noch an der Karaokemaschine). Und an die Party-nach-der-Party, bei der man irgendwann vormittags beim Spongebob-Gucken eingeschlafen ist. Wäre einfach nicht das Gleiche gewesen, wenn nur Freunde und keine Freundes-Freunde oder Freundes-Freunde-Freunde dabei gewesen wären.

Aber selbst beim Feiern gibt es Situationen, in denen man sich über die schlechten Manieren anderer ärgert. Kleines Beispiel: Ihr seid im Club Eurer Wahl, habt Euch einen kleinen aber feinen Platz im Getümmel ertanzt und dreht fröhlich eure Kreisel, Augen halb zu, Arme oben, Zufriedenheitssmile im Gesicht, ein paar Freunde um Euch rum, alles wunderbar. Und dann kreuzt dieser mitmenschliche Störfaktor auf. Klingt erst einmal absurd, denn ein Club ohne Menschen drin ist witzlos. Ich meine auch gar nicht die anderen durchschnittlich 326 Partygäste, sondern den einen 327., der auch da ist. Es gibt ihn überall, egal, ob in der Dorfdisco oder im Edelclub mit der harten Tür, in 2 Varianten:

1. Der Proll auf Anschlusssuche, der an Eurer Seite rumkaspert und Euch mit halboffenem Mund anglotzt (insofern Ihr weiblich seid)

2. Die unsympatisch aussehenden Tussnelda, die sich neben Euch quetsch und ihre monsröse Handtasche und ihren Hintern in Eure Magengegend drückt.
Foto: Rudeworks / flickr
Ich bin wirklich nicht klaustrophobisch, ich hab nichts gegen Gruppenkuscheln oder Abzappeln mit Ganzkörpereinsatz. Aber auf 20 cm mit fremden Grobmotorikern werde ich auf Dauer echt allergisch. Wenn dezentes Beiseiteschieben oder ein semi-freundliches „Nee, lass mal“ nicht helfen, gerate ich regelmäßig in ein Dilemma: Arschig sein oder locker bleiben? Meine Kinderstube vergessen oder mich eines Besseren besinnen?

Vielleicht sollte mal jemand einen Disco-Knigge schreiben, um diese ganzen Mißverständnisse aus der Welt zu schaffen. Am besten jemand, der auf ein paar Paryjahrzehnte zurückblicken kann, diverse eigene Sausen veranstaltet hat und ein Minimum an sozialer Intelligenz besitzt.

Irgendwelche Freiwillige?



Julia wundert sich außerdem über

... DSDS
... die Ägypter
...die GEZ
... Das A-Team
... die Brigitte
... den Nacktscanner
... das Jahr 2010
... die Polizei
...Männer und Frauen
... die Farbe Lila
... den Weihnachtswahn
... das Gesetz
... Geldgeilheit
... Pechvögel
... dumme Tiere
... die deutsche Sprache
... Psychologen
... die Pornoindustrie

Kommentare zur News

von
haha, Schwammerlkörbe - geil!

Würde gerne die restlichen Regeln Deines Disco Knigges lesen. Wäre sicher höchst amüsant
von
Yessssss.....Jooolia, das nenn ich aktive Verarbeitung.....

Regel #1 im Disco-Knigge: Keine Schwammerlkörbe im Club - wer sich beim Tanzen an seiner Handtasche festhalten muss, gehört in die Tanzschule...
von
hrhrhr, ich sollte mich in "der Zensierte" umbenennen..
von
nein... auch der war schlecht
von
geil wie sich fresh auf diesen aufruf freiwillig meldet!! :)
von
wie wärs mit fresh_one, er weiß doch eh immer alles besser :)
1-6 von 6

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