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Rubrik:Szene, Kolumne
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Autor:Agent jooolia
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Julia wundert sich über ... schlechte Horrorfilme

Die Welt ist schon ein sonderbarer Ort. Allerlei Skurriles findet sich offline wie online. Mal regt es zum Nachdenken an, mal versüßt es den Tag und verhilft zu einem spontanen Schmunzeln. Unsere Agentin Julia wird für Euch wöchentlich über Absurditäten, Irrlichter und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags berichten. Ihr Einblick in den urbanen oder vernetzen Dschungel verspricht ungewohnte Perspektiven, ominöse Begegnungen und Überraschendes.
Foto: xJasonRogersx/flickr
Mein erstes Mal war mit zwei Stephens: Spielberg und King. Seit "Der weisse Hai" und "Es" (angeguckt im zarten Grundschulalter, quietschend an meinen großen Bruder geklammert), hab ich eine Faible für gute Horrorfilme. Ich kann nicht einmal sagen, warum - ich liebe es einfach, wenn meine Haare um Stehplätze kämpfen, meine Finger sich im Knie meines Kinositznachbarn festkrallen, wenn mich ein Film richtig gruselt.

Leider passiert mir das immer seltener. Stattdessen habe ich die letzte halbe Stunde von "Hügel der blutigen Augen" - auf den ich mich echt gefreut hatte - nur mit zugekniffenen Augen und zugehaltenen Ohren ertragen. Und kapiere bis heute nicht, wie man sich so eine kranke Grütze wie "Saw" oder "Hostel" reinziehen kann. Aber es ist wohl ein Zeichen unser reizüberfluteten Zeit. Gooodbye raffinierte, indirekte Schreckmomente - Hello Splatter und Gemetzel. Vielleicht bin ich da altmodisch, vielleicht wehren sich meine weiblichen Gene dagegen … aber abgehackte, noch zappelnde Körperteile oder an die Wand klatschende Innereien erschrecken mich nicht. Sie ekeln mich schlichtweg. Wer gerne zerfledderte Leichen anglotzt, der möge sich einen Atlas der Anatomie kaufen. Oder Reporter in Kriegsgebieten werden. Aber bitte nicht Regisseur. Nichts gegen Tarantinos rohe Gewalt, oder Peter Jacksons frühe Horrorklamauken "Braindead" und "Bad Taste" (drogensüchtige Muppetfiguren... auf die Idee muss man erst mal kommen). Aber 30 Sekunden auf den abgeschossenen Stumpf eines Zombiekopfes halten – das muss doch echt nicht sein.
Foto: mikal-bisnovat/flickr
Das Forschungsprojekt "Spielformen der Angst" liefert übrigens den wissenschaftlichen Beweis dafür. Es untersucht, wie Nervenkitzel in Horrorfilmen vermittelt wird, und welche Gruseltaktiken am wirksamsten sind. Das Fazit: "Gute" Horrorfilme packen uns bei unseren Urängsten. Sie spielen z.B. mit unserer Angst vor der Dunkelheit, oder davor, Opfer eines Verbrechens zu werden. Und: Sie erschrecke eben nicht über brachiale Schockeffekte. "Filme, die nachhaltig Angst machen", meint der Studienbeteiligte Dr. phil. Lars Koch, sind solche, in denen "nicht in Drastik und Deutlichkeit alles gezeigt wird, sondern wo sehr viel im Imaginären bleibt". Word! Genau das haben die Klassiker ("Rosemary's Baby", "Wenn die Gondeln Trauer tragen", "Poltergreist", "The Shining") den Abschlachtungsorgien von heute voraus. Was man in den frühen Horrorfilmen sieht, ist jedenfalls lange nicht so schlimm wie das, was gleichzeitig im eigenen Kopfkino abläuft. Denn damals arbeiteten die Filmemacher noch mit der Phantasie der Zuschauer.

Beweisstück A: "Der Exorzist". Dass ein kleines Mädchen rücklings auf allen Vieren die Treppe herunter rennt, hat seinerzeit viele Kinogänger zu Tode erschreckt. Aber viel gruseliger sind die Szenen, in denen die dämonische Besessenheit der Kleinen volles Rohr zu sehen sind. Und zu hören: Der damalige Tonmeister hatte nämlich keinen blassen Schimmer, wie er eine vom Teufel besessene 12-Jährige akustisch darstellen sollte. Also mischte er einfach einen Haufen unangenehmer Geräusche zusammen: kreischende Schweine, bellende Zwitterhunde, Bienen, die in Dosen gesteckt wurden, Menschen, die kurz davor sind, sich zu übergeben. Dieser genialer Einfall war sicherlich Ausschlag für den Oscar in der Kategorie Bester Ton, mit dem der Film 1974 ausgezeichnet wurde. Und das Prädikat "besonders wertvoll" von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden gab's obendrauf.
Foto: mikal-bisnovat/flickr
Aber zum Teufel mit den alten Kamelen. Ich habe doch nicht die Achtziger UND die Neunziger überstanden, um mir heute schlechte Splatterstreifen anschauen zu müssen! Ich finde, jeder hat ein Recht auf gute Horrorfilme.

Ein bisschen Klatsch und Tratsch zum Abschluss: Die "Beatles" werden wir bald als Zeichentrick-Zombies wiedertreffen. Gerüchten zufolge haben die "Pulp Fiction"-Produzenten Michael Shamberg und Stacey Sher den Horror-Comic "Paul is Dead: The British Zombie Invasion" eingekauft, und tüfteln schon an der Verfilmung. Im Wesentlichen geht es um die vier untoten Pilzköpfe, die sich von den Hirnen ihrer Fans ernähren. Cameo-Auftritte von Yoko Ono und Mick Jagger sind auch eingeplant. Oh Mann...



Julia wundert sich außerdem über...

... den urbanen Konsum-Mash-up
... Sexismus
... Doppelmoral in Sachen Pädophilie
... Werbung
... den 1. April
... Facebook
... Bushido
... Diego Maradona
... die EU
... schlechte Manieren
... DSDS
... die Ägypter
...die GEZ
... Das A-Team
... die Brigitte
... den Nacktscanner
... das Jahr 2010
... die Polizei
... Männer und Frauen
... die Farbe Lila
... den Weihnachtswahn
... das Gesetz
... Geldgeilheit
... Pechvögel
... dumme Tiere
... die deutsche Sprache
... Psychologen
... die Pornoindustrie

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