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Rubrik:Lifestyle, Kolumne
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Autor:Agent jooolia
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Letzte Aktualisierung:

Julia wundert sich über … Männer, die zum Putzen gezwungen werden

Die Welt ist schon ein sonderbarer Ort. Allerlei Skurriles findet sich offline wie online. Mal regt es zum Nachdenken an, mal versüßt es den Tag und verhilft zu einem spontanen Schmunzeln. Unsere Agentin Julia wird für Euch wöchentlich über Absurditäten, Irrlichter und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags berichten. Ihr Einblick in den urbanen oder vernetzen Dschungel verspricht ungewohnte Perspektiven, ominöse Begegnungen und Überraschendes.
Was muss ein Kerl sein, um eine Frau dauerhaft glücklich zu machen?

a) ein begnadeter Liebhaber mit magischen Händen, der sowohl Tantra als auch diverse Massagetechniken beherrscht, der immer die richtigen Köpfchen zu drücken weiß, ihr unglaubliche Höhenflüge beschert und am nächsten Morgen Frühstück ans Bett bringt

oder

b) ein Mann, der freiwillig putzt?

Das überraschende Ergebnis: Jede zweite Frau würde einen Sexgott für einen Putzteufel von der Bettkante stoßen. Hat zumindest eine aktuelle Umfrage der Frauenzeitschrift Laura ergeben. Befragt wurden immerhin 1.004 Frauen und Männer (Männer..?) zwischen 18 und 55 Jahren (wie genau die Gewichtung der Geschlechter war und wie die Befragten ausgewählt wurden, war leider nicht in Erfahrung zu bringen). Frauen überraschen mich ja ständig, aber das hätte ich nicht erwartet. Würde frau einen perfekten Liebhaber wirklich in den Wind schießen - bloß, weil er die Spülmaschine nicht einräumt? Es gibt doch genug andere Alternativen für ein faires Zusammenleben: Er könnte z.B. die lebensbedrohliche Elektroarbeiten übernehmen. Oder die Altglaskisten zum Container tragen. Oder die Einkäufe in den vierten Stock. Oder am Wochenende die Grillausrüstung zum See. Oder eine Putzkraft bezahlen (Männer verdienen ja bekanntlich ein Drittel mehr als Frauen). Oder kochen, wenn ihm das liegt (oder es lernen, wenn es ihm nicht liegt). Oder Staubsaugen – das können Männer ohnehin besser als Frauen, sagt Angelika Grözinger, Präsidentin des Hausfrauenbundes. Aber der Sache von vorne herein keine Chance geben? Oder, noch schlimmer, die Rolle der nörgelnden Mama übernehmen?
Seien wir mal ehrlich: Die allerwenigsten Jungs sind fit in Sachen Haushalt. Ich hatte mal das Vergnügen, mit drei männlichen Mitbewohnern unter einem Dach zu leben – drei Studenten (ein Wirtschaftsingenieur, ein Soziologe und ein BWLer). Alle drei lustig, weltoffen, gut erzogen, ein bisschen strebsam aber feierfreudig, unterm Strich coole Mitbewohner. Und alle drei totale Putzpflaumen. Nicht, dass sie sich gedrückt hätten! Im Gegenteil: Der BWLer setzte kurz nach seinem Einzug einen ausgeklügelten Putzplan auf, in Excel natürlich, den er verschiedenfarbig ausdruckt an den Kühlschrank heftete. Der Soziologe fand das klasse, und organisierte zum Dank Pizza und Merlot für alle. Ich freute mich insgeheim darüber, nicht als erste das Klo putzen zu müssen – diese undankbare Aufgabe stand in Runde Eins neben dem Namen des Wirtschaftsingenieurs. Neben meinem Namen stand "Altpapier raustragen". Das Leben war gut. In der gleichen Woche machte sich der Wirtschaftsingenieur, nennen wir ihn mal Nils, pflichtbewusst an die Reinigung des stillen Örtchens. Ich hätte es wahrschein-lich gar nicht bemerkt, wäre ich nicht beim Nachhausekommen in eine Wand aus Chlordampf gelaufen. Ein kurzer Blick ins WC reichte, um die Reizgasquelle zu identifizieren: Unser Klo war von oben bis unten in Bleichespray, Badreiniger und Sakrotan getränkt worden. Kein Silberfischchen, keine Keimzelle, kein Pantoffeltierchen hätte diesen Giftangriff überleben können.
"Ähm, Nils?"
"Ja?"
"Mit was hast Du eigentlich das Klo geputzt?"
"Hab's mit Desinfektionsmittel eingesprüht."
"Auch die Wände?"
"Klar. Wieso?"
"Ach, nur so."
Von da an roch unser Klo einmal im Monat wie eine Zahnarztpraxis. Ich hatte nicht den Mut, Nils zu erklären, dass man eine Kloschüssel auch mit ein bisschen WC-Ente und einem Schwamm sauber kriegt. Auch, wenn der Soziologe in akrobatischen Bewegungen um die Küchenstühle herumwischte, anstatt sie einfach auf den Tisch zu stellen, sagte ich nichts. Erst, als der BWLer unserem zugeeisten Gefrierfach mit einem Föhn zuleibe rücken wollte, und unsere ohnehin schon gigantische Stromrechnung vor meinem inneren Auge explodierte, griff ich ein. Ein neuer Putzplan musste her, ein menschenfreundlicher. Ein Putzplan für Menschen, die als Kinder nie im Haushalt mitgeholfen haben. Der sah dann so aus: Müll raustragen, Böden saugen und wischen (in dieser Reihenfolge und NICHT andersrum), Dusche und Waschbecken saubermachen (NUR mit Badreiniger), Post reinholen. Außerdem übergab ich dem BWLer die Verantwortung über das WG-Konto und die Aufteilung der Telefonrechnung, der Wirtschaftsingenieur wurde Nebenkostenabrechnungsbeamter und ein absolutes Im-Stehen-Pinkeln-Verbot wurde erlassen. Und siehe da: Es war immer einigermaßen sauber, unsere Rechnungen wurden pünktlich bezahlt und unser Briefkasten quoll nur noch in den Semesterferien über.
Was ich damit sagen will: Es macht keinen Sinn, jemandem etwas aufzuoktroyieren, das ihm nicht liegt. Männer können so vieles – aber Putzen gehört nicht dazu. Noch nicht. In 50, 60 Jahren vielleicht, wenn Frauen und Männer tatsächlich gleichberechtigt sind, werden sich die Herren am Stammtisch auch mal locker über Scheuermittelsorten und Seifenreste unterhalten. Aber bis dahin sind es tendenziell die Mädels, die für Ordnung im Haus sorgen. Ich persönlich bin schon beeindruckt, wenn ein Mann einen Knopf annähen oder ein Hemd bügeln kann, und wenn er danach noch einen grandiosen Lachs-Spinat-Auflauf hin zaubert – Hurra!

Dafür räume ich auch gerne hinterher die Küche auf.


Fotos: flickr (4)/Flo's shots 4 me, adamrhoades, gagilas, FlickrJunkie

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Julia wundert sich außerdem über...

... Hygiene-Exhibitionisten

... Vuvuzelas
... den Nichtraucher-Krieg
... Deutschland im Ausland
... Weltmeisterschaften
... Deutschland im Ausland
... Kunst, die krank macht
... klitzekliene Hunde
... schlechte Horrorfilme

... den urbanen Konsum-Mash-up
... Sexismus
... Doppelmoral in Sachen Pädophilie
... Werbung
... den 1. April
... Facebook
... Bushido
... Diego Maradona
... die EU
... schlechte Manieren
... DSDS
... die Ägypter
...die GEZ
... Das A-Team

Kommentare zur News

von
@ LNE oh ja, ich wollte schon immer einen Cyberstalker :D
von
Julia und Frische1: A new Romance? ;)

Wehe Du rettest sie aus dem Nachtagenten Kerker, wo sie zum schreiben der Kolumne gezwungen und gefoltert wird!

@Hamstibasti: Vorschlag klingt logisch, mal sehen, was die technik dazu sagt.

Hoffentlich werde ich mich niemals mit meinem Kumpels beim Stammtisch locker über Scheuermittelsorten und Seifenreste unterhalten.....
von
danke julia! :)
von
hey mein frischer Freund! Hab dich schon vermisst! :)
von
was soll man zu solch einem "journalismus" noch sagen ...wenn Du irgendwo eingesperrt bist und gezungen wirst das zu schreiben (z.B. sachen wie "aufzuoktroyieren" oder halt diesen artikel), schick ne nachricht ich organisiere ein rettungsteam..!!!
von
ein nett gemeinter ratschlag an die redaktion .. dieses feld wo ich grad reinschreibe gehört unter die news und nicht unter " das könnte dich auch interessieren" ist einfach nicht logisch und schon gar nicht benutzerfreundlich platziert ..

zum thema: aus meiner erfahrung ist das thema putzen wirklich nr.1 streitthema in WGs, ich für meinen teil zähle mich auch nicht eben zu der Kategorie Putzteufel und würde dem lieben Frieden willen lieber eine professionelle Putzkraft engagieren, dann schaff ich auch noch einen Arbeitsplatz und kann meine zeit mit sinnvolleren Sachen wie Open Air Feiereien verbringen anstatt überm Klo zu hängen .. das kommt erst nach dem openair und hat andere gründe .. grüße hamstibamsti
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