Die Welt ist schon ein sonderbarer Ort. Allerlei Skurriles findet sich offline wie online. Mal regt es zum Nachdenken an, mal versüßt es den Tag und verhilft zu einem spontanen Schmunzeln. Unsere Agentin Julia wird für Euch wöchentlich über Absurditäten, Irrlichter und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags berichten. Ihr Einblick in den urbanen oder vernetzen Dschungel verspricht ungewohnte Perspektiven, ominöse Begegnungen und Überraschendes.
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Im Münchner Nachtagenten-Headquarter gab es mal zwei Hunde. Zwei drollige, tapsige Wauzis, bzw. acht Pfoten, die den ganzen Tag über den Parkettboden tänzelten. Immer von ganz hinten, wo ihre Herrchen, die Nachtagenten-Chefs, ihr Büro haben, nach ganz vorne zur Eingangstür, die ständig auf und zu geht. Lustig war, wenn die beiden in vollem Karacho angefetzt kamen, um dann im letzten Moment abzubremsen (was der Parkettboden immer um ein paar Meter verhinderte). Einer der beiden rächte sich dafür regelmäßig an dem tückischen Holzbelag, indem er laut würgend draufkotze. Was doof war, wenn man seinen Arbeitsplatz gleich daneben hatte. Aber zweierlei hatten die beiden vielen ihrer Artgenossen immer schon voraus. Erstens: Sie müffeln nicht nach totem Badetuch. Zweitens: Sie haben eine anständige Körpergröße. Sprich: größer als ein Lamm, kleiner als ein Kalb. Man tritt sie nicht versehentlich kaputt, kippt aber auch nicht hinten über, wenn sie einen zur Begrüßung anspringen.
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Das Schlimmste, was der Mensch seinem besten Freund jemals angetan hat, war dessen Degradierung zur Winzigkeit eines laufenden Dekokissens. Diese kümmerlichen Achselhunde, wahrscheinlich dauerstoned vom Chanel No. 5 und dem Deo ihrer Trägerinnen, brechen mir regelmäßig das Herz. Die Natur wäre nicht so bescheuert, wehrlose Fifis im Mädchenformat oder bellende Tischfeuerzeuge zu erschaffen. Die Natur würde auch keinen Dobermann auf lachhafte 25 cm schrumpfen, und das Häufchen Elend großspurig „Zwergpinscher“ nennen. Und das aus einem ganz einfachen Grund: Mini-Hunde entbehren jeglicher Nahrungsketten-Logik. Man versuche mal, einem Kind die Funktion eines Chihuahuas zu erklären! Der wahrscheinlich tot umfällt, wenn ihn ein Fuchs anpupst!
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Die kleine Tochter eines Freundes hat mich darauf gebracht. Sie hat nämlich gerade angefangen zu blabbern, und beherrscht jetzt etwa acht verschiedene Tiergeräusche. Nichts spektakuläres, Kuh z.B. ist „Muuh“, Hahn ist „Kikeriki“ und Hund „Wauwau“, die Klassiker eben. Zeigt man ihr nun ein Bild von einem Vieh, antwortet sie mit dem entsprechenden Laut. Vor kurzem, beim Spazieren im Park, kam ihr ein meerschweinchengroßer Teppichporsche entgegen gelaufen. Schwanz wedelnd blieb er vor ihr stehen und glotze sie an. Keiner von beiden machte einen Mucks. So standen sie einen Moment lang da. Ein kleiner Mensch und ein kleiner Hund, Auge in Auge. Dann legte die Kleine den Kopf schief und meinte zögerlich: „Miau?“. Der böse Blick des Besitzers und unser „Nein nein, Wauwau!“ konnten nicht überzeugen.
Merke: Eine pelzige Kampfameise mit Ohren sieht einfach mehr nach Katze aus, als nach Hund.
Dann doch lieber einen Labrador mit empfindlichem Magen.
Pressekonferenz - Paul Kalkbrenner am 21.05.2012 in München