News von
Rubrik:Kolumne
-
-
Letzte Aktualisierung:
Julia wundert sich über ... die katholische Kirche
Die Welt ist schon ein sonderbarer Ort. Allerlei Skurriles findet sich offline wie online. Mal regt es zum Nachdenken an, mal versüßt es den Tag und verhilft zu einem spontanen Schmunzeln. Unsere Agentin Julia wird für Euch wöchentlich über Absurditäten, Irrlichter und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags berichten. Ihr Einblick in den urbanen oder vernetzen Dschungel verspricht ungewohnte Perspektiven, ominöse Begegnungen und Überraschendes.

Und es gibt die Verschlossene Auster - ein ganz spezieller Tadel. Sie wird jährlich vom netzwerk recherche vergeben, eine hochkarätig besetzte Journalistenvereinigung, zu der u.a. Redakteure der Süddeutsche Zeitung, des WDR, NDR, SWR, der ZEIT und des Spiegel gehören. Die Organisation kürt damit den Informationsblockierer des Jahres, den auskunftsunwilligsten Akteur aus Politik und Wirtschaft. Und der Gewinner 2010 ist – Na? Wer wohl? - die Katholische Kirche. Knackpunkt ist natürlich ihr Umgang mit dem Missbrauchsskandal.
"Alternativlos" sei diese Entscheidung gewesen, sagte Thomas Leif, Vorsitzender des Journalistenbundes. Auch die Begründung der Jury war einleuchtender als jedes Osterfeuer: "Ausgerechnet die Kirche als Fachinstitution für Schuldbekenntnis, Reue und Vergebung muss von Opfern und Medien gezwungen werden, Stellung zu beziehen", erklärte Heribert Prantl, früher mal Messdiener beim heutigen Papst Josef Ratzinger, heute Ressortleiter für Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung, in seiner Laudatio. "Die Kirche war und ist die Heimat der Täter. Sie hat den Tätern die Würde des Amtes verliehen, in der sie sich verstecken konnten".
Harte Worte. Aber es kommt noch härter.
Denn: Immerhin, das muss man sagen, hatte die Kirche so viel Mumm, sich ihre Miesmuschel auch abzuholen (was die wenigsten Preisträger tun). Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, nahm die Auster am 10. Juli 2010 in Hamburg persönlich entgegen. Allerdings nicht, ohne eine Gegenrede zu schwingen.
Harte Worte. Aber es kommt noch härter.
Denn: Immerhin, das muss man sagen, hatte die Kirche so viel Mumm, sich ihre Miesmuschel auch abzuholen (was die wenigsten Preisträger tun). Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, nahm die Auster am 10. Juli 2010 in Hamburg persönlich entgegen. Allerdings nicht, ohne eine Gegenrede zu schwingen.

Wie schön für Dich, lieber Herr Kopp, dass Du diesem Fiasko noch etwas Positives abgewinnen kannst.
Seit ca. einem halben Jahr gibt es eine Hotline für ehemalige Heimkinder, die in kirchlichen Einrichtungen misshandelt, gedemütigt, geschlagen oder missbraucht wurden. Bis heute haben 372 Menschen angerufen. Keiner ist bis dato entschädigt worden.
Fotos: flickr (2)/ futurowoman, wackystuff
--------------------------------------------------------------------
Julia wundert sich außerdem über...
... Männer, die zum Putzen gezwungen werden
... den Elvis-Effekt
... Hygiene-Exhibitionisten
... Vuvuzelas
... den Nichtraucher-Krieg
... Deutschland im Ausland
... Weltmeisterschaften
... Deutschland im Ausland
... Kunst, die krank macht
... klitzekleine Hunde
... schlechte Horrorfilme
... den urbanen Konsum-Mash-up
... Sexismus
... Doppelmoral in Sachen Pädophilie
... Werbung
... den 1. April
... Bushido
... Diego Maradona
... die EU
... schlechte Manieren
... DSDS
... die Ägypter
...die GEZ
... Das A-Team





