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Rubrik:Lifestyle, Kolumne
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Autor:Agent jooolia
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Julia wundert sich über ... Die Google Street View-Panik

Die Welt ist schon ein sonderbarer Ort. Allerlei Skurriles findet sich offline wie online. Mal regt es zum Nachdenken an, mal versüßt es den Tag und verhilft zu einem spontanen Schmunzeln. Unsere Agentin Julia wird für Euch wöchentlich über Absurditäten, Irrlichter und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags berichten. Ihr Einblick in den urbanen oder vernetzen Dschungel verspricht ungewohnte Perspektiven, ominöse Begegnungen und Überraschendes.
Fotos: Kvatch/flickr
Google hat 's nicht leicht. Abgestempelt als fiese Datenkrake, als Urheberrechtsignorant (Stichwort: Google Books), als Elefant im Porzellanladen der Privatsphäre. Wären die bunten Buchstaben nicht so millionenschwer, man hätte vielleicht sogar ein Quäntchen Mitleid. Jedenfalls ist das Image des Internetgiganten gerade denkbar mies. Viel zu mies, um ein Mammut-Projekt wie Street View zu lancieren – zumindest in Deutschland. Google zieht es trotzdem durch, und erntet dafür schlechte Presse und Kritik von allen Seiten. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner wirft Google mangelnde Transparenz vor, die SPD organisiert Sammelwidersprüche, die FDP stellt Muster-Widerspruchsformulare zum Download ins Netz. Die CSU ergreift derweil die Gunst der Stunde, und fordert erstmal eine Street View-Steuer. Google selbst lacht sich ins Fäustchen, weil spätestens jetzt jeder in Deutschland seinen zukunftsträchtigen Dienst kennt.

Aber was steckt eigentlich dahinter? Warum die ganze Aufregung?

Dazu erst einmal ein paar Fakten: Street View ist die Panorama-Version von Google Maps. Städte werden also nicht mehr platt wie eine Scheibe, sondern in 360-Grad-Ansicht dargestellt. Dazu düsen seit 2008 speziell präparierte Autos durch verschiedene Metropolen. Auf dem Dach montierte Kameras fotografieren die Umgebung ab, die Einzelbilder werden anschließend zu Panoramafotos zusammengesetzt. Sinn und Zweck ist eine bessere Orientierung der User, die sich jetzt schon den Eifelturm oder das Kolosseum online so angucken können, als stünden sie davor. Auf gut Deutsch gesagt: Was Steet View zeigt sind Orte, die jeder beim Spazieren durch eine Straße sehen kann.
Foto: Racum/flickr
Rechtlich gesehen – man ahnt es schon – wirft Street View Probleme auf. Das größte nennt sich "Recht am eigenen Bild" und ist von Land zu Land verschieden. Im Wesentlichen besagt es, dass jede(r) selbst entscheiden kann, wann, wo und in welchen Zusammenhang er bildlich gezeigt werden darf. In der BRD ist das besonders klar definiert: So darf z.B. niemand in Deutschland ein Porträtfoto von jemandem veröffentlichen - es sei denn, der Abgebildete gibt seine Einwilligung, z.B. in Form eines so genannten Modelrelease. Nachzulesen ist dieser Einwilligungsvorbehalt im Kunsturheberrechtsgesetz (§22).Einzige Ausnahme sind "absolute Personen der Zeitgeschichte", an denen die Öffentlichkeit ein gesteigertes Interesse hat (Promis, Politiker). Sie "müssen" ertragen, dass die Medien in Wort und Bild über sie berichten (allerdings nicht, wenn sie sich in ihrer Intim- oder Privatsphäre bewegen, klar).
Um diese juristische Falltür zu umgehen, sollen bei Street View zwei Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Zum einen wurden alle Häuser und Gebäude nur von öffentlichem Grund aus fotografiert (= Orte, die öffentlich zugänglich sind). Zum anderen sollen Gesichter und Autokennzeichen verpixelt werden (wer sich, sein Haus oder sein Auto trotzdem in einer Street View-Karte erkennt, kann dies bei Google melden). Markiert werden dagegen Sehenswürdigkeiten, Haltestellen und Firmen (insofern sie Google dafür bezahlen). Auf diese Weise hat Street View bereits Panorama-Stadtpläne in 23 Ländern erstellt, darunter auch Frankreich und die Schweiz.
Foto: pashasha/flickr
Auch die 20 größten Städte in Deutschland sind schon abfotografiert, die Karten sollen Anfang2011 online gehen. Doch dann regte sich besagter Widerstand der Politik und der Datenschützer (was übrigens in keinem anderen Land passiert ist), und eine Sonderregelung für die BRD musste her. Die sieht jetzt so aus: Jeder Deutsche, der seine Wohnung oder sein Haus nicht in Panorama-Ansicht sehen möchte, kann Widerspruch einlegen (Google Germany GmbH, ABC-Straße 19, 20354 Hamburg; oder per Mail an streetview-deutschland@google.com). Ob man Mieter oder Eigentümer des Hauses ist, spielt keine Rolle. Noch bis zum 15. Oktober besteht diese Möglichkeit, danach nicht mehr. Nur in Deutschland gibt es die Widerspruchsmöglichkeit vor dem Start des Services.

Damit ist aber noch längst nicht Ruhe im Karton. Ganz im Gegenteil: Kaum ein anderes Thema wird momentan so hitzig diskutiert. Und die Contra-Argumente werden langsam echt absurd: "Was ist mit Menschen, die durch Stalker umziehen und dann durch Zufall wieder aufgespürt werden und somit immer wieder Opfer des Stalkers werden, vielleicht immer wieder dadurch umziehen müssen, das ist doch ein Kreislauf ohne Ende!", schimpft man hier. Auch interessant: "Wer eine Geliebte hat, muss sich auch hüten, denn sonst sieht es womöglich die Ehefrau mal versehentlich im Internet".

Mhmm. Und wenn mein Kanarienvogel vorletztes Jahr weggeflogen ist, kann ich den dann vielleicht auch in einer Street View Map wiederfinden? Oder meinen Schlüssel, den ich 2008 verloren habe?

Schon seltsam: Da wettert ganz Deutschland gegen das Big Brother-Gefühl, und steckt sich selbst zur Prime Time in totalüberwachte Wohncontainer. Auch über Webcams, die tagesaktuelle Live-Bilder zeigen, regt sich niemand auf. Oder über die Vorgänger von Street View, z.B. www.sightwalk.de oder www.norc.at. Datenschutz ist eine wichtige Sache. Aber der technische Fortschritt darf deswegen nicht im Keim erstickt werden.

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Julia wundert sich außerdem über...

... die Weltherrschaft der Nerds

... die katholische Kirche
... Männer, die zum Putzen gezwungen werden

... den Elvis-Effekt
... Hygiene-Exhibitionisten

... Vuvuzelas
... den Nichtraucher-Krieg
... Weltmeisterschaften
... Deutschland im Ausland
... Kunst, die krank macht
... klitzekleine Hunde
... schlechte Horrorfilme

... den urbanen Konsum-Mash-up
... Sexismus
... Doppelmoral in Sachen Pädophilie
... Werbung
... den 1. April
... Facebook
... Bushido
... Diego Maradona
... die EU
... schlechte Manieren
... DSDS
... die Ägypter
...die GEZ
... Das A-Team

Kommentare zur News

von
@ Icemen: lol!!
von
von
meine oma dachte, dass dann immer ein mensch mit kamera vor ihrer tür steht und sie verfolgt.
von
ich habe festgestellt, dass 80% der leute die sich über streetview aufregen, denken, dass das live-bilder sind. ja ne is klaaa! :)
1-4 von 4

MY:NA

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München

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