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Julia wundert sich über ... die GEZ
Die Welt ist schon ein sonderbarer Ort. Allerlei Skurriles findet sich offline wie online. Mal regt es zum Nachdenken an, mal versüßt es den Tag und verhilft zu einem spontanen Schmunzeln. Unsere Agentin Julia wird für Euch wöchentlich über Absurditäten, Irrlichter und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags berichten. Ihr Einblick in den urbanen oder vernetzen Dschungel verspricht ungewohnte Perspektiven, ominöse Begegnungen und Überraschendes.

Nein, sonderlich beliebt war sie nie, die Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in BRD. Schade eigentlich – denn ihre Existenz wurzelt in einer guten Idee. Unpopuläres Statement, aber ich proklamiere trotzdem in voller Überzeugung: Die GEZ ist eine durchaus sinnvolle Institution. Das verlangt nach einer Begründung. Und nach einem kurzen Rückblick in die Geschichte.

Mitte der Achtziger wurden dann auch private Rundfunksender zugelassen. Unter einer Voraussetzung: Die öffentlich-rechtlichen Anbieter musste es weiterhin geben, um eine Grundversorgung der Bevölkerung (bezüglich Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung) sicherzustellen. 1987 wurde der Staatsvertrag zur Neuordnung des Rundfunkwesens unterzeichnet – und das Duale Rundfunksystem war geboren. Das bescherte der Bevölkerung viele neue wundersame Formate (etwa Tutti Frutti oder Schulmädchenreport), da sich die Privaten damals wie heute über Werbung finanzieren und auf hohe Einschaltquoten angewiesen sind. Die Öffentlich-Rechtlichen dagegen dürfen - auch heute noch - nur ganz wenig Werbung schalten. Brauchen sie (theoretisch) auch nicht, sie werden ja über die Gebühren finanziert. Inzwischen gab es auch die KEF, die seit 1975 errechnet, was der Bundesbürger an Gebühren zu zahlen hat. Seit 1997 sind diese Vorschläge an die Ministerpräsidenten der Länder verbindlich – und seit 1976 ist die GEZ damit beauftragt, diese Gebühren einzutreiben. Und weil der Deutsche an sich nicht gerne Steuern zahlt, wenn er nicht muss, ist die GEZ heute gezwungen, sich immer wieder neue kreative Methoden dafür ausdenken.

Und dann wäre da noch die berechtigte Kritik am System. So gerne sie es auch bestreiten: Die politischen Parteien in Deutschland haben sehr wohl einen Einfluss auf die Öffentlich-Rechtlichen – und zwar nicht zu knapp. Erst im November 2009 wurde das wieder eindrucksvoll demonstriert. Der damalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hatte sich mit seiner Arbeit bei diversen Politikern unbeliebt gemacht. Schon Edmund Stoiber jammerte, er sei im Bundestagswahlkampf 2002 von ZDF-Journalisten benachteiligt worden. Und auch mit Schröder hatte Brender sich angelegt. Das resultierte in einem haushohen Rausschmiss, initiiert von den CDU-Vertretern im ZDF-Verwaltungsrat. "Mit dieser Entscheidung", riefen ver.di und der DGB unisono, "opfert die CDU die Rundfunkfreiheit auf dem Altar der Parteipolitik." Hässliche Geschichte. Nicht unbedingt das, was man sich unter "Staatsferne" vorstellt.
Nein, die GEZ hat es nicht leicht. Aber wer weiß, vielleicht kommen die Öffentlich-Rechtlichen irgendwann mal auf die Idee, ein bißchen mehr PR in eigener Sache zu machen. Und uns an die Sternstunden erinnern, die die Öffentlich-Rechtlichen trotz allem zu bieten haben (Tatort, Tracks, die Harald Schmidt Show oder coole Konzerte wie im Moment Depeche Mode auf ARD). Dann klappt's auch mit dem Gebühren zahlen.
Julia wundert sich außerdem über
... Das A-Team
... den Nacktscanner
... das Jahr 2010
... die Polizei
... die Farbe Lila
... den Weihnachtswahn
... das Gesetz
... Geldgeilheit
... Pechvögel
... dumme Tiere
... die deutsche Sprache
... Psychologen
... die Pornoindustrie
Fotos: Ernest von Rosen/www.amgmedia.com, Konrado Fedorczyko/ stock.xchng, Pixelio (10)/D. Schütz, F. Sommaruga, knipseline, saschahne, S. Hofschläger, D. Baack, C. Hautumm, Mandy, C. Scheumann, D. Huemmer
Kommentare zur News
von
ich finde die öffentlich-rechtlichen Sender inhaltlich scheisse und schaue nicht mal nachrichten dort... muss aber trotzdem gez zahlen.
von
schöner erster satz.....kommt mir irgendwie bekannt vor....aber da ging es nicht um die geschichte der gez....lol.
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