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Rubrik:Szene, Kolumne
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Julia wundert sich über ... Deutschland im Ausland
Die Welt ist schon ein sonderbarer Ort. Allerlei Skurriles findet sich offline wie online. Mal regt es zum Nachdenken an, mal versüßt es den Tag und verhilft zu einem spontanen Schmunzeln. Unsere Agentin Julia wird für Euch wöchentlich über Absurditäten, Irrlichter und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags berichten. Ihr Einblick in den urbanen oder vernetzen Dschungel verspricht ungewohnte Perspektiven, ominöse Begegnungen und Überraschendes.

Aber gut, wieder was dazugelernt.
Während ich diese Zeilen schreibe, befindet sich mein Kopf noch dort, auf dieser kleinen, wunderschönen Insel vor der Küste Tunesiens, die so ganz anders ist als erwartet. Was ich erwartet hab? Keine Ahnung ... eine Tourihochburg, klar, mit dem üblichen Drum und Dran, aber immerhin reden wir hier von einem Land, das zu 98% arabisch ist. Nach meinem Ägypten-Urlaub letztes Jahr und den überraschend entspannten Muslimen, die uns in Thailand begegnet sind, sind meine Vorurteile gegenüber islamischen Ländern zwar auf ein Minimum geschrumpft. Doch die diffuse Mischung aus Scham und Mitleid, wenn mir bei 35 Grad verschleierten Frauen entgegen kommen, die bleibt. Vor allem, wenn ein paar Meter weiter die sächsischen Strandnixen mit nix als einem Hauch von Tanga in der Sonne braten.
Interkulturelles Fremdschämen ... ein seltsames Gefühl.

Die Tunesier lernen in der Schule nur Arabisch und Französisch, die beiden Amtssprachen. Deutsch-Kurse gibt’s nur an der "Strandakademie", wie mir ein Barmann erzählt. Und trotz der unlogischen Grammatik, der schwierigen Aussprache und – seien wir mal ehrlich – des etwas hässlichen Klangs unserer Muttersprache bevorzugen es die Djerbajaner zu Englisch. Was eigentlich keinen Sinn macht. Denn: Obwohl jedes Jahr mehr deutsche Touristen als englischsprachige anreisen – der Löwenanteil der europäischen Besucher, sollte man meinen, spricht als erste Fremdsprache doch eher Englisch als Deutsch.

Ist das Deutsche vielleicht auf dem Vormarsch? Getragen von den vielen Germans, die den Globus so rege bereisen, den rund 5.000 verschiedenen deutschen Biersorten und dem gigantischen deutschsprachigen Musikmarkt? Und wenn ja, werden dann auch ein paar unserer Gepflogenheiten in die Welt hinaus getragen? Das wäre ja was – Tennissocken und Adiletten als dernier cru in Nizza, Handtuchhinlegecompetitions in 5-Sterne-Ressorts in Südamerika, Scooter-Tribute-Bands in Australien.
Wir werden es erleben. Und uns freuen, dass die Vergangenheitsbewältigung so langsam mal abgeschlossen ist.
Fotos: flickr (3)/ Jott!, Simon Donini, rroland
Julia wundert sich außerdem über...
... Kunst, die krank macht
... klitzekliene Hunde
... schlechte Horrorfilme
... den urbanen Konsum-Mash-up
... Sexismus
... Doppelmoral in Sachen Pädophilie
... Werbung
... den 1. April
... Bushido
... Diego Maradona
... die EU
... schlechte Manieren
... DSDS
... die Ägypter
...die GEZ
... Das A-Team
... die Brigitte
... den Nacktscanner
... das Jahr 2010
... die Polizei
... Männer und Frauen
... die Farbe Lila
... den Weihnachtswahn
... das Gesetz
... Geldgeilheit
... Pechvögel
... dumme Tiere
... die deutsche Sprache
... Psychologen
... die Pornoindustrie
Kommentare zur News
von
denke die "deutsch-sprech-quote" auf djerba wird aber noch vom guten alten palma getoppt. da wars gefühlte 99% :)
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Pressekonferenz - Paul Kalkbrenner am 21.05.2012 in München