Flotter Dreier: Feindrehstar, Tru Thoughts & Skream
Musik, Musik, Musik... Täglich flattern neue Scheiben ins Nachtagenten Büro. In der Rubrik „Flotter Dreier" werden die besten Veröffentlichungen kurz und knackig vorgestellt. In dieser Woche mit jazzig-housigen Klängen von Feindrehstar, einer Compilation vom Tru Thoughts-Label und Skream.
Wenn die Sonne sich langsam aber sicher im Grau des Herbstes verliert und die Tage immer kürzer werden braucht man definitiv eine gute Dosis Groove. Und der kommt für diesen Herbst aus Jena! Schon seit zehn Jahren beweist das Septett mit dem klangvollen Namen Feindrehstar, dass man weder einem Trend, noch einer bestimmten Musikrichtung zugeordnet sein muss, um erfolgreich auf den Bühnen dieses Landes für eine außerordentlich stimmige Beschallung zu sorgen. Und was bisher live funktioniert hat sorgt nun - im Studio aufgenommen und für den heimischen Konsum gepresst - auf den Plattentellern, CD-Spielern und MP3-Geräten der Nation für den Soundtrack, der uns unbeschadet durch die kalten Monate bringt. Mit einer Vielseitigkeit, die uns glücklich macht, verbinden die Musiker in ihren handgemachten Nummern funkige Riffs und orientalisch anmutenden Einlagen mit deepen Houseklängen. Daneben stehen Hip Hop-Beats vereint mit jazzigen Elementen und gehen direkt von den Ohren bis in die Zehenspitzen. Experimentierfreude und Improvisation haben den Sprung vom Live-Auftritt ins Studio geschafft und überraschen immer wieder. So schön wie ein bunter Herbstwald!
Die erste Tru Thoughts Compilation bringt die besten und beliebtesten Songs des Tru Thoughts Labels auf eine Scheibe. Mit dabei sind namhafte Tru Thoughts Künstler wie Quantic, Bonobo, Alice Russell, Nostalgia 77, Belleruche, Hot 8 Brass Band oder Stonephace (mit dem Portishead-Gitarristen Adrian Utley). Aber auch Gastinterpreten sind mit von der Partie, und auch die können sich sehen lassen: u.a. die UK Soul Sängerin der Stunde Andreya Triana, Beth Roley und Remixer Ashley Beedle. Auf die Ohren gibt’s ausschließlich gediegenen lo-fi, mal mit Jazz- und Blues Einflüssen, mal mit Hip Hop Ansätzen und grooved so vor sich hin. Das Ganze kommt dabei sehr entspannt und deep daher, eignet sich gut zum Chillen im Park oder daheim auf der Couch. Musik zum geniessen, nicht zum konsumieren, und daher empfehlenswert.
VÖ: 3. September 2010 | Label: Tru Thoughts (Groove Attack)
Nach vier Jahren kommt mit „Outside The Box“ Skreams zweites Album raus. Das Album-Format ist aber nicht wirklich das Ding von Oliver Jones, so sein bürgerlicher Name. Singles rausbringen und Remixen dafür umso mehr. Und so kam er in den letzten Jahren auf über 30 Maxis, darunter auch der nicht zu verachtende Remix von La Rouxs „In For The Kill“. Damit avanciert Skream zu einem heißen Kandidaten, Dubstep in das Popgefilde zu führen. Großbritanniens Charts sind ja das beste Beispiel, dass auch Underground-Stile den breiten Durchbruch schaffen können. Das war bei Drum’n’Bass so, zuletzt bei Grime und nun vielleicht bei Dubstep. Dabei bleibt Skream seinen Wurzeln treu, lässt dabei aber viele neue Einflüsse zu. So landet er mal bei RnB, Electro, Pop oder Hip Hop. Zusammen mit den tief wummernden Klangräumen werden daraus abwechslungsreiche Nummern. Ab und an hat er sich namhafte Unterstützung geholt, wie bei „Finally“ feat. La Roux, die aus den simplen Beats einen zeitlosen und schönen Track macht. Ein gewisser Lenny muss Skream besonders am Herzen liegen, denn „A Song For Lenny“ ist so zart und tief, dass es fast zu Tränen rührt. Mit „The Epic Last Song“ endet „Outside The Box“ und schließt ein wahnsinnig elegantes und subtiles Dubstep-Album ab. Für die Spitze der Charts reicht das wohl nicht – für ein gutes Album schon!