Flotter Dreier: Erik Sumo Band, Bomb the Bass & Gorillaz
Musik, Musik, Musik... Täglich flattern neue Scheiben ins Nachtagenten Büro. In der Rubrik "Flotter Dreier" werden die besten Veröffentlichungen kurz und knackig vorgestellt. Dieses Mal mit der ungarischen Erik Sumo Band, Bomb the Bass & den virtuellen Gorillaz.
Vier Jahre sind mittlerweile ins Land gezogen, seit Erik Sumo alias Ambrus Tövisházi mit seinem Debutalbum My Rocky Mountain zum ersten Mal auf sich aufmerksam machte. Nicht gerade viele internationale Musikkarrieren beginnen in seiner Heimat Ungarn, doch mit der ungewöhnlichen Mischung aus Pop, Dub, Jazz und ungarischen Folk-Elementen lieferte er ein Album ab, das die Herzen von Musikliebhabern höher schlagen ließ. Mit The Trouble Soup kommt nun endlich neuer Stuff von dem mittlerweile 7-köfpigen Projekt. Unverändert fließen hier die verschiedensten Einflüsse ineinander – zu den Balkan- und Jazz-Elementen sind nun Synthies, geläufige Indie-Einwürfe und vor allem aufgrund der Besetzung neue Stimmbilder dazu gekommen. Dazu passt der Albumname ausgezeichnet - eine bunte Suppe, ein überbrodelnder Kessel bunter Schnipsel diverser Geschmacksrichtungen. Der Nachfolger kann jedoch nicht ganz an die Kraft und Tiefe von My Rocky Mountain anknüpfen. Ein wenig zu clean und sauber produziert klingt das Album als Ganzes, trotz der Aufnahmen in einem Original-1970er-Studio mit 24-Track-Tape-Maschine. Der Charme einer voller Herzblut im Kellerstudio aufgenommenen Unabhängigkeitserklärung vom kommerziellen Musikzirkus wird allerdings von einem scheinbar endlos geflochtenen Band freundlicher Energien abgelöst. Somit ist auch The Trouble Soup für sich stehend absolut gelungen und fügt sich geschmeidig an die nahenden Frühlingstage an, dazu prädestiniert, gute Laune zu verbreiten.
Das bereits 1987 von Tim Simenon gegründete Projekt Bomb The Bass meldet sich nach dem Album Future Chaos zurück. Back to Light heißt das neue Werk, das zusammen mit Gui Boratto produziert wurde. Entstanden ist ein Sound, den man irgendwo zwischen Achtzigerjahre Synthies und futuristischen Klängen einordnen muss. Die Gesangsparts von Richard Davis, Kelley Polar, Paul Conboy und The Battle of Land and Sea geben der Musik das nötige I-Tüpfelchen. Zwar findet man keinen Track auf der CD, der es schaffen könnte die Tanzflächen zum kochen zu bringen, allerdings regen die vielen klassischen Technoelemente zum Zuhören an und verschaffen eine angenehme Atmosphäre. Im abschließenden Instrumental Milakia ist kein geringerer als Martin Gore, Keyboarder von Depeche Mode, am Werk. Er hat seine Synthieklänge bereits Ende der Achziger erzeugt. Insgesamt sehr gelungene Kunst - Kosmische Schallwellen unterlegt mit einem minimal düsterem und betrübenden Gefühl.
Die vier Bandmitglieder der Gorillaz (2D, Noodle, Russel und Murdoc) leben inzwischen auf Plastic Beach. Diese selbst aus Müll erbaute Insel im Pazifik ist so weit wie kein anderer Platz vom Festland entfernt. Zumindest behauptet das Mastermind Damon Albarn - seines Zeichens Kopf hinter dem Projekt Gorillaz und haupt(neben-)beruflich Sänger von Blur. 5 lange Jahre sind seit dem letzten Album „Demon Days“ vergangen, und das lange Warten hat sich gelohnt. Auf Plastic Beach bekommt man ganze 16 Tracks zu hören, allesamt mit gewissem Ohrwurm-Potenzial versehen. Mal eher mit smoothen Hip Hop Beats untermalt, mal geht’s mehr in die elektronische Richtung. Das Ganze ist standesgemäß mit prominenten Gastauftritten gespickt, z.B. von Lou Reed, Snoop Dogg, Mark E Smith, De La Soul, Mos Def und Bobby Womack. Auf Plastic Beach fehlen zwar ein klein wenig die Hits vergangener Alben wie „Dirty Harry“, „Dare“ oder „Feel Good Inc.“, doch das Album überzeugt mit einer unglaublichen Vielfalt. Hier klingt wirklich kein Track wie der andere! Highlights auf Plastic Beach sind “Welcome to the World of Plastic Beach” (Snoop Dogg at his best!), die erste Single “Stylo” und der verträumte Titeltrack “Plastic Beach”. Die These, dass das dritte Album das schwerste ist, bewahrheitet sich auch in diesem Fall. Denn Plastic Beach ist zwar eine gelungene Scheibe, kann den beiden grandiosen Vorgängern aber nicht ganz das Wasser reichen.